Liebes Tagebuch…….

Liebes Tagebuch,

ohjeminee, das war wieder ein Tag. Nein nein, keine Sorge, heute kritzel ich dich mal nicht mit Verr und Sa Tarna Geschichten voll, obwohl es wohl auch erwähnenswert ist welch schöne Früchte ich heute vom Kalanabaum gepflückt habe, hhhhmmmm, richtig prall und knackig. Nachdem ich sie gleich gekostet und für hervorragend empfunden habe, habe ich sie … Aber nein, versprochen ist versprochen, heute kriegen deine Seiten mal einen besonderen Leckerbissen. Apropo Leckerbissen, hab ich dir schon von den neuen Rezepten erzählt die wir Mädchen ausgeklügelt haben? Stell dir vor es gibt nun getoastetes Brot mit Speck und Käse überbacken oder Tarsk in Kalana Soße… ooohhhh eines sag ich dir, allein von dem Duft würden deine Seiten Wellen schlagen vor Begeisterung… Aber ich schweife mal wieder ab…  Also… ohje… wo soll ich da nur anfangen? Als ich in meinem kuscheligen Körbchen aufgewacht bin und alle Viere erstmal von mir gereckt und gestreckt hab? Nein, zu früh. Oder als die Schneiderin aus dem Norden kam und um Hilfe für eine Bond bat oder dem jungen Krieger der gerne die Schwerterakademie besuchen würde? Nee auch nicht, hat ja mit der Sache nichts zu tun die ich dir erzählen wollte. Naja, wie auch immer. Natürlich waren die beiden nichtmehr da als es dann passierte… ich schlenderte nach getaner Arbeit gemütlich über den Hof, hörte es hier und da mal schaben und knattern,  aber wer denkt sich schon was dabei? Nach einigen Händen habe ich mich durchaus an die Geräusche der knarrenden Fellgestelle, schnaufender Herren und quiekender Kajirae gewöhnt die aus den Häusern ertönen. Also machte ich es wie immer: Ohren zu und durch. Aber dann… ojeminee… oooohhjemineeeee… eine riesen, eine riesen, eine riiiiieeeeesengroße Spinne kreuzte meinen Weg. Und jetzt sag nicht wieder ich würde mich nur wieder anstellen. Ich rede hier nicht von einer der langbeinigen Schnaken die ich so oft mit deiner Hilfe und dem Weinkelch des Händlers einfange und durch das offene Fenster in die Wohnstube des jungen Herrn werfe. Ohhhhhh nein, diesmal ist sie wirklich mal riesig. Ich mal dir mal ein Bild, so ungefähr sah die aus:

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Da staunst du was? Erst blieb ich wie angewurzelt stehen während mich das behaarte Viech mit seinen vier tiefschwarzen Glubschern von oben bis unten beäugte ehe ich die Flucht nach hinten ergriff, jedoch schon bald mit meinem Hintern gegen den Brunnen stieß. Und schon war ich eingeklemmt, zwischen diesem gewaltigen Monstrum und der rauschenden Wasserstelle. Aber während ich im Angesicht des Todes alle Götter die mir einfielen, ja sogar diese ominösen Priesterkönige anrief, um ein schnelles schmerzloses Ableben zu erflehen, ja du wirst es kaum glauben, fing die Arachne an mit mir zu diskutieren.  Ihre pelzigen Vorderläufe streichten über meinen zitternden Körper während ich ihrer zischenden und krächzenden Stimme lauschte. Nach einiger Begutachtung stellte sie jedoch fest das ich fast ausschließlich aus Haaren bestehe und wohl kaum als Mahlzeit genießbar wäre, höchstens als Zahnseide für danach.

Bild 3
~todesmutig stellte ich mich der Bestie entgegen~
Bild 4

Jedoch stellte sie eine klitzekleine Bedingung dafür, mich nicht zu beißen und auszusaugen. Der Winter rückt mit großen Schritten immer näher, und ich solle sie gefälligst an einem sicheren und warmen Ort zum überwintern führen, ich schlug ihr ja den alten Boskstall vor, der nun ganz vereinsamt außerhalb der Stadtmauern vor sich hinmodert. Das war ihr allerdings nicht fein genug, und so brachte ich sie in das riesige Kellersystem, in dessen unzähligen Gängen ich schon so manche Ahn damit verbracht hab wieder einen Ausgang zu finden. Sie schien von der neuen Behausung schier begeistert und begann sogleich es sich direkt unterhalb der Sklavenschule mit ihren Spinnweben so dick wie meine Unterarme kuschelig und gemütlich zu machen.

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Damit sie mich und auch die anderen Mädchen der Stadt auch ja in Ruhe lässt versprach ich ihr, erstens meinen Mund zu halten und niemandem zu verraten das sie hier ist und zweitens eine Boskkuh im Monat um ihren tierischen Hunger zu stillen. Naja, ersteres habe ich leider schon brechen müssen, mein Herr sieht ja gleich wenn etwas mit mir nicht stimmt. Die nackte Angst in meinem Gesicht konnte ich nunmal schlecht kaschieren, vor allem nachdem ich es wie im Verfolgungswahn während des Sklavenunterrichts am Abend überall knarksen und schlieren gehört hab, ja mir schien es sogar als würde ich ihre behaarten Beine aus dem Fenster der Schule krabbeln sehen.  Also was blieb mir anderes übrig als ihm die Geschichte vorzuheulen? In voller Eleganz und Anmut kullerten mir die dicken Tränen über die Wangen während ich ihm berichtete. Ja und dann, dann gab er mir zur Beruhigung einen Schluck des roten Kalanas den ich ihm zuvor servierte, wo wir wieder beim anfänglichen Thema meines Eintrags wären.  Also alles in allem, wieder ein runder Tag. So, nun muss ich aber schluss machen, mein Herr knurrt schonwieder rum. Wenn ich Glück hab beginnt der morgige Eintrag nicht wie ich im Körbchen aufwache.

Kichernde Grüße, Piki

Sklavin des Händlers Chris von En´Kara, der Stadt der 11 Türme

1 thought on “Liebes Tagebuch…….”

  1. Sehr schön geschrieben, es liest sich flüssig, mit Witz, ein klein wenig wird auch ein Klischee bedient.

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